Sonntag, 25. März 2007, von deif

She will love you more…

Jeder kennt sie, die Werbemails, die einem täglich in die Mailbox flattern. Sie gelten als lästig und hartnäckig und enden bei den meisten Menschen mit einem schon fast intuitiven Drücken der Lösch-Taste. Heute hab ich eine Ausnahme gemacht und sie mir ganz genau angesehen.

Das erste Mail stammt von Friedrich. Den kenne ich zwar noch nicht aber er schreibt mir netterweise wegen einer unglaublichen Weltneuheit: einer Taschenlampe ohne Batterien! Die kostet im 2er-Set nur EUR 39.- und soll mich nie im Stich lassen. Beinahe rutscht mir ein „Mensch, Wahnsinn!“ über die Lippen und ich lese weiter. Ganz unten steht eine Telefonnummer, wo Mensch den Wahnsinn auch bestellen kann. Der Nummer nach zu schliessen muss Thomas auf Grenada leben, einer kleinen Insel in der Karibik, welche von keinem anderen als Christof Kolumbus himself entdeckt wurde.

„Der Thomas hat’s gut“, denk ich vor mich hin, „der liegt bestimmt den ganzen Tag am Palmenstrand und schlürft einen Piña Colada nach dem anderen“. Ja und dass Taschenlampen ohne Batterien ausgerechnet auf einer Karibikinsel erfunden werden, liegt auf der Hand. Die mit ihren Stromausfällen! Ganz zu schweigen davon, dass dies rein schon wegen der Klimaerwärmung und dem Zeozwei und so Sinn macht. Wir wollen ja unsere Gletscher noch eine Weile lang behalten. Also, die Telefonnummer pinn ich mir an die (Gletscher-)Wand.

Als nächstes ist Lacy dran. Obwohl sie von einer ganz unromantischen E-Mail-Adresse aus schreibt, scheint die Dame trotzdem eine recht poetische Ader zu haben. Denn sie schickt mir ein kurzes Gedicht. Ich bin gerührt… dass es sowas heute noch gibt!? Ich kann zwar im ganzen Text keinen Reim finden, und dennoch klingt es wie Shakespeare: sehr, sehr stilvoll. Ihrer edlen Zeilen liegt ein holdes Bildchen bei, doch ach, es ist so leer. Ich bin schlichtwegs erschlagen ab so viel Bildsprache und Symbolik! Sonnenklar, sie lädt mich ein, mein Englisch aufzupolieren. Der lieben Lucy will ich zurückschreiben. Gibst du auch Privatunterricht?

Herr oder Frau Neumair schriebt mir, es gäbe keinen einzigen Grund, auf einen Schuhputzautomaten zu verzichten. Sogar mit Ausrufezeichen. Ist in der Tat ein stichhaltiges Argument, Herr/Frau Neumair! Weshalb mein Provider ihren Automaten als Junk bezeichnet, verstehe ich echt nicht! Ich glaube, ich leite das mal dem Thomas auf Grenada weiter. Der hat ja vielleicht Lust, daraus eine batterielose Variante zu basteln?

Weiter finde ich eine Message auf English from einem Donnell Larkin somewhere in den USA. Er hat einen Weg gefunden, um sich im Nu von seinen überschüssigen Pfunden zu befreien. Das Wundermittel heisst Anatrim und verbessert dank einer speziellen Formel deine Lebensqualität, lässt dich weniger essen und macht dich immer fröhlich. Bravo! Das scheint doch mal eine echte Alternative für unsere bekifften Zeitgenossen zu sein! Lasst uns endlich schlank und heiter sein – und zu allererst in den USA!

And here comes Jack Brooks mit einem tollen Angebot an renommierter OEM (ööhm?) Software zu Schnäppchenpreisen. Seine Nachricht bestückt er mit einem praktischen – öhm – Link, über den man sofort zu seinem – öhm – Online-Shop kommt. Unglaublich, wie viele Dollars man da einsparen kann! Thank you Jack for this great tip! Deine Adresse steht jetzt in meinen – ööhm – Lesezeichen.

Gino von irgend so einer Dingsbums-Apotheker-Allianz begrüsst mich mit einem freundlichen Good morning! – Heeey Gino, wie geht’s uns denn heute? – Er weist mich darauf hin, dass ich in Toronto rezeptpflichtige Medikamente gaaaaanz günstig und schnell bestellen könne. Darauf hab ich kranker Typ ja schon immer gewartet und ohne auch nur einen einzigen Augenblick zu zögern zücke ich meine Kreditkarte. Yeah, gimme that stuff.

Schon bin ich beim nächsten E-Mail, verfasst von Tom Vindevogel. Ich muss etwas schmunzeln, denn er schreibt mir von der Nummer-1-Penisvergrösserungsmethode. Das sei garantiert zu 100 Prozent risikolos oder ich kriege mein Geld zurück. Und dann muss seine Katze oder was anderes auf dem Keyboard rumgelümmelt sein, denn sonst ergäbe die nächste Zeile „gikijfjjjpjokpktj…“ keinen Sinn. Vielleicht sind das auch die Nachwehen nach seiner Vergrösserungs-Aktion? Ach, mach mal halb lang Tom, du kriegst dein Geld ja zurück! Du hast Schmerzen? Versuchs mit Anatrim, das Zeug macht dich im Nu froh, echt!

Was haben wir noch? Unschlagbar gute Hocker mit Gasdruck aus Russland (EUR 66.-), ein Börsentipp (Empfehlung: sofort kaufen!), ein Profi-Gewerbe- und Bürostaubsauger für die Grossflächenreinigung (lege ich mir zu, wollte ja schon immer einen Palast), Pflegefreie Riesenpalmen mit Naturstamm (wahrscheinlich aus Grenada), ein Fahnenmast mit Flagge und ein saugünstiger Uniabschluss.

Als letztes die Nachricht mit dem Betreff, welcher mich arg ins Grübeln bringt: „She will love you more than any other guy“. Welche She wird mich da lieben? Und welcher Other Guy? Oder ist das etwa ein Scherz? Absender: Martin Morgan, Webdesigner aus Los Angeles. Hm, sonderbar. Sorry, hab jetzt keine Zeit mehr. Muss ihm unbedingt mailen und ihn fragen, wie er das gemeint hat…

DEIF – Ein Name, der für exzellente Homepage-Kreationen (u.a. das Layout dieser Logorö) sowie feinfühlige, treffsichere Mitten-ins-Herz-Texte steht.

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1 Kommentar zu „She will love you more…“

  1. Hierro sagt:

    Das ist genau die Realität Deif. Bewundere dich, dass du alles auf deiner Mailbox gründlichst liest.

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